words
 



       

geschriebene wörter, von augen gelesen, die zu ohren werden,
furchtloser, nicht respektloser dabei. unwissend was kommt, leicht abgelegen gegenüber
dem was war,
lebendig im auftauchen. frei im moment der konzentration.  

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STAUB

die hoffnung liegt im staub
raubt mir mich
ich suche den zauber
zurück

 

 

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WO DU NICHT MEHR BIST

ist
jetzt nichts
du nicht

nie mehr

(Jörg, weggenommen, 25.6.2016†)

 

 

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SCHAUM

ich greife in den raum
und habe einen traum

alles nur schaum,
schaum
schaum
schaum

kein raum dort
für den traum

 

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LUFT HOLEN

die Luft riecht nach
nebelfeuchtem Sand
das Restlicht gibt
ihm eine blaue Färbung

gibt mir deine Hand
und wir gehen ein Stück
gemeinsam nachtabgewandt





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DIE ARMEN AFFEN

die armen affen
die eingebaut dort fahren
durch windschutzscheiben gaffen
verliebt in glas und blech

sie werden mich nicht schaffen
und wie sie auch verfahren
und ihre peitschen straffen
mit mir haben sie pech

(spontane Situationsgedichtung für Holger)

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DU REICHST

du reichst
mir deine hand
ich male in sie
mit dem finger
wie in sand
verschließe sie mit meiner
im moment

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SANDVOGEL

rinnt unsere gemeinsame zeit
jedem allein
durch seine hände

hände in denen daunenfederleicht
der kleine vogel liebe
platz genommen hat

spür ich ihn erst im abflug

möcht ich ihn halten

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FREUNDE

unglück und glück sind
freunde
denk ich
weiß ich
jetzt

 

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BRUMMKOPF

der kopf brummt
schief und krumm
"liebe, verlust,
universum"
und immer und immerwieder
warum, warum
warum

 

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NACH WOCHENENDE

nicht wo ein stück des fingers fehlt
fehlt es auch am herzen
nicht wenn die elster eine amsel liebt
macht mir das schmerzen

wenn eine wolke eine andere touchiert
lässt mich das denken
wir sind nur da um wach zu bleiben
und uns zeit zu schenken

 

 

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GRASHALM

der grashalm steht
im sonnenschein
ganz fein
und schmal der schatten

und kommt ein windstoß
um die ecke
biegt sich der halm
und mit ihm seine schattenstrecke



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KÖNNEN

worte retten
leben   

vielfalt annehmen
auch
                                                              


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AUFGEHOBEN

habe die kleine sommerbrise,
wie sie sich in deinem blonden haar
fängt und deine augen
in meinem kopf

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15.5.2014

die leichtigkeit der dinge liegt in den dingen selbst

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PERFEKTIONIERER

du armer tropf,
am tropf

perfektionierpionier
kopf

herz tot
opfer

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DARUM

das warumhaus mit seinen vielen türen
fenstern durch die wind pfeift
kann keiner schließen. besonders
wenn das warumhaus nah am wasserrand gebaut ist


das irre ist, das haus nah am wasser hat
immer den kürzesten weg zum strand
und oft die schönsten ausblicke

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LAUWARM

lauwarme einsamkeit
wer bist du nur und
wer hat dich mir geschickt

nicht bestellt, keine portokosten
du hast dich mir aufgeschlichen
wie ein geschwür
nicht tödlich aber
von innen heraus auffressend

wie die kohlweißlingsraupen befallende schlupfwespe

nie bestellt, nie bezahlt
vermutlich ist da der haken : noch nicht bezahlt!

das elend, die rechnung ist noch offen.

ist sie auf dem weg?

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eine freiheit ist bürde und wunder zugleich                                                                                                                                                                       


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VERANTWORTUNG FÜR EIN WOHLFÜHLEN

die sonne trägt
verantwortung
vielleicht ist sie deswegen groß
kann schüchtern sein
und verlegen ums eck schauen dann
erröten

wenn sie lange weg war

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WEICH

mondlicht
fängt sich
auf frischgeduschter haut
besonders schön

zu zweit am nachmitternächtlichen
fenster

 

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INEINANDERAUS

wir haben uns
ineinander
ausgeweint
auseinander
eingefunden
im miteinander
über nacht
für den neuen tag


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MONDAUGEN

der mond kriecht
durchs geäst
wie eines baumes helles auge
streift er ein nest
dann folgt
der allbekannte rest

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IM AUGUST

denk ich an deinen
kuss
muss
ich schmunzeln
so ein stuss
und doch ein muss
nach solch
einem kuss

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KOORDINIERTES CHAOS

alles zu einer zeit
seiner zeit

zeit des koordinieten chaos

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AUCH LEBEN

du krallst dich an die flasche
und überall liegt asche

von einem rausch beseelt
und einem wunsch der quält

nur frei dann wenn du schläfst



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ERDBEEREN

wir fahren hin wo auch erbeeren im winter schlafen
vielleicht liegt schnee auf dem sand,

sagst du,

vielleicht nehm ich deine hand

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INGER

du schriebst was ich nie in worte zu fassen vermag

schriebst
und ich lese


weiter

während du
im grabe liegst

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ASTMUSTER

der kalte winterhimmel gibt sie frei
die blätter sind verflogen

was gibt es hübscheres zu schauen
die feinen äste

hoch ins blau gebogen








DIE SCHWESTER DER LORELEI

wir sitzen wo sich dichter rauch in trichterlampen kräuselt
und trinken dabei viel zu viel
und unsere grade aufgetauchten randgedanken spielen uns ein spiel
während die hübsche weltflucht leise säuselt

"viel zu viel,
viel zu viel"

(für Holger)






DAHINTER

im nebel steckt verborgen
die sehnsucht nach dem neuen
morgen
im sonnenschatten steckt ein rest vom
licht
was ich empfinde sieht man
nicht








WENDIGKEITEN

wir sind
und lassen uns gleichzeitig bleiben
wir entfernen
und möchten uns dabei aneinander reiben
wir flattern
um das was uns bedrückt
wir lieben
denn das macht uns so wunderbar verrückt




 


WIEDERSEHEN

die zeit hat dich geschrumpft sofort erkenne ich dein kinn
von deiner silhouette jeden millimeter
verwunderlich wie große menschen zehn jahr später
plötzlich ein kleines bildmaß sind

die zacken die du in mich schlugst
sind lange von der krone abgefallen
die du auf deinem haupte trugst
graustufen bist du und du stehst mit allen

bist meine zukunft nicht und nicht mehr sinn
bist weder opfer noch ein täter
verwunderlich wenn vielgeliebte menschen jahre später
ein kleines bildmaß eines drahtlostelefons nun sind



punkte


NEUFUND

trag deine angst zu grabe
labe dich
am neuen tag

umarme
den abend










WIEDER STEHEN

seit ich aufgestanden bin
widerstehe ich dir










BESONDERS

wenn ich glücklich bin
vergesse ich daß ich unglücklich bin
wenn ich schlafe vergesse ich
daß ich wach bin
wenn ich atme denke ich nicht
an mich










UNANGENEHM

wusste nicht
wie umgehen
daher wusste ich
nur das will ich
umgehen
das umgehen










ABSTOSSEND

was war so abstossend an mir
ist jetzt an dir








INNEN

mit dem stock in der hand
bohre ich ein loch in den frischen sand
und male einen vogel der garnicht fliegen kann
ich drehe rückwärts an der sanduhr die garnicht existiert
und zieh mir vierzehn jahre an
mit einem stock im sand ist alles nur fingiert











LÜCKEN

ist das was du weißt
ganz der der du bist
wenn du das was du weißt
auch mal vergisst

ist der der du bist
noch das was du weißt
wenn du dich mal vergisst
dir ein andrer wichtig ist












KONSUM

konsum das war ein gott
dem glaubte man ganz flott
den allerletzten mist
weil er das hirn auffrisst









MASKERADE

die straßen voller masken
die an bestimmte orte hasten
die straßen voller ziele
und was sie wollen wissen viele
die straßen voller egomanen
mit ichichich auf ihren fahnen
die straßen voller hast
das schauen dieser dinge, eine last









NORDERENDE

das rauschen der pappeln kann
einen betören
retten kann es einen nicht






VERSTECKT

wie die möwe
auf weißem grund nicht sichtbar

so versteckt sich die wolke
im meer

weniges erschließt sich
mit dem ersten blick











BLAUES ROSA

mit der rosa brille
kann man nicht weit sehen

und setzt man sie kurz ab
erlebt man immer ein blaues wunder

dann heißt mit dem
wunder freundschaft
schließen oder weggehen









ICH HATTE UNKLARHEIT

ich hatte unklarheit
wegen der worte
'nie wieder' und 'immer'

aus angst vor wahrheiten
aus trotz vor veränderungen

das war verfrüht

man sollte immer
offen sein für 'immer'
und 'nie' geschlossen
für 'wieder'








ZEIGER

kennt man sich selbst nicht
sollte man sich gut zuhören











UMSTÜLPEN

wie kann es gelingen
sich umzustülpen
wenn finger des handschuhs sich umschlingen
in der vergangenheit

wie kann es gelingen
sich loszureissen
wenn die beine der hose sich umschlingen
im jetzt

es kann eben gelingen
sich rauszuheben
wenn die augen der andern zu einem rufen
leben, leben, jetzt wieder leben














RUTH

du drehst die gelbe sanduhr nicht
du schaust nur ihr geriesel
im augenwinkel seh ich und verneige mich
vor dir ganz tief und innerlich
wie morgensternsche wiesel vor reimeswillens kieseln












KENSAL GREEN

so sprichst du aus deinem grab laut und deutlich

aus deinem grab
lauter und deutlicher als so mancher lebende
während ich schweigend senkrecht im bett stehe
weil ich dich lese
liegst du als kohlenstoff verweht
draussen in den gräsern
und sprichst
laut und deutlich










BRENNNESSEL

keiner hat dich zurückgeschnitten
und verkannt
du drückst deinen scheitel durch die rippen
der bank
zeigst deinen schön gezackten rand
begrüßt mich, kurz gebrannt
um dann zur seite wegzukippen









MAXIMALE POTENZIERUNG

die maximierung der auswahl hat dem menschen eine potenzierung
der unsicherheit beigelegt und damit unmengen an zeit gestohlen













SEMIPERMEABLE WAND


dass gedankenwege
entstanden, angerührt, angestoßen,
die sich ausrollen
in dir
passend sind
zu dir
gehören, zu dem
was in dir ist
durch worte
von mir
schreibst du

und rollst
damit einen roten teppich aus
den folgende gefundene worte sogleich betreten werden







SEHEN KÖNNEN


sehen können bedingt
poesie, poesie lesen
können bedingt sehen











SEHEN LERNEN

für Ruth


der entscheidende unterschied
zwischen akt und
nur nackt
war das n

auch das galt es ersteinmal zu verstehen
zu sehen lernen









FAHRT

du irrst

man kann der sonne aufgang
sehrwohl
auch ganz erzählen

dein fotoapparat ist eine dünne krücke nur
für was gerade du doch worte hast
du brauchst hierfür nur dir
einwenig selbst vertrauen

ich glaube dir bereits










WAND

du sitzt hinter der wand
erst später dann hab ich erkannt
dass wände auch in köpfen sind
dafür gemacht sie frei
heraus
mit voller wucht
zu überspringen









LAUGHTER

oh es ist wahr
es dauert nur ein jahr
um zu entknallen
was verknallt
und zu erfahren
dass wir alle menschen sind
im äußerlich erwachsenen innen weiter kind










GESICHT

die zärtlichkeit mit der du
mein gesicht
berührst
hätt ich mir selber
niemals
zugestanden









ZERSTREUUNG

in alle winde hab ich mich zerstreut
mitten in den mai
und mich in allen himmelsrichtungen dabei
wieder gefunden






GESCHWISTER

wir haben uns
von weitem angepeilt
weil
wir uns haben
für immer
und dies wissen
nur deshalb konnte eine kollektivverpeiltheit zustande kommen





FEHLBESETZUNG

du bist hier
nicht
bist und kannst doch nicht
sein
an diesem ort
dieser stadt
bist du eine fehlbesetzung







WAS KOMMT, BLEIBT

was kommt, wenn die schönheit endet
was bleibt, dann
was steht uns ins gesicht geschrieben

hoffnung
immer
wieder
hoffnung








ZWISCHEN DREI

in eurer mitte am rand
steh ich
geh ich
seh ich
die welt
durch euch ist sie die meine
seit ich denken kann







SCHMERZ VERBINDET

wir legen unsre wunden aufeinander
setzen uns
auseinander
berühren den schmerz
aus der ferne
wieder
der uns so einsam gemacht hat
und mit dem wir jetzt gemeinsam sind
und weiter leben

schmerz verbindet









LACHEND SAGEN

du sagst
"das leben ist eine krise
und schuld ist der krisenstab des mannes"

ich lache laut und ich sage
das leben ist eine wühlige kiste
und schuld ist der ganze mist

es ist wie es ist, es ist frühling
und schuld ist nur der ders vergisst









NEUER REGEN

und wieder sind da regentropfen
die rhythmisch auf die frischen blätter klopfen

oder ist das mein offnes herz
das wieder hofft







PRÄZISER LEIDEN

deine der nacht entfleuchten worte
die greif ich
und stelle sie mit weißer tinte
entlang der bettkante auf
um wieder keinen schlaf zu finden
so wie du auch








PERIGON

die tulpe lässt ihr erstes blatt
gleich wird ein zweites folgen








OVAL


wir sitzen um den runden tisch
der schon seit sechsundzwanzig jahren fehlt
wir sprechen eine sprache
und doch verstehen wir uns nicht








MÜDIGKEIT

wir hatten einen plan
der dann von fremder leute ignoranzen weggelenkt
stattdessen durch den westen oben rumgefahren
und fanden einen see und einen fluss

und pizza capriciosa mit weißwein lag am wegesrand
das schönste aber von dem ganzen
das war das tanzen der gedanken
kurz vor der sagenhaften müdigkeit zum schluss








UNBEISPIELHAFT

führe mein leben
ganz unbeispielhaft
ein inneres beben
gefährlicher kraft







TRENNEN

lasse diesen körper hier
einfach liegen
leg deinen doch daneben
und spazieren in regenfeuchte frühjahrsnacht

und wenn wir
um die ecken biegen
wo sich die düfte aus den pflanzen heben
ist diese uhrzeit für den geist gemacht








STULLENPIRATEN


wir wanken über wackelige planken
die unsre beine sind
und hangeln uns wie frühjahrsfrische ranken
empor zum krähennest
es dampft der tabak
wie der schwarze tee
wir knuspern an der stulle
und um uns liegt die stille wie die see
wir schauen durch die brille
die garnicht rosa ist
und stopfen stullenkrümel in die rillen
von unserm unabhänigigkeitsgedankennest


(wir bleiben einfach oben,
denn unten wartet nur
der rest)





RANDNOTIZ


für deinen anflug eines schnabeltassenblues
kannst du dich glücklich schätzen
den tag und auch den abend
mit deiner gleichgesinnten in einem nest zu sitzen







BEMERKEN

und wo mich dein anblick blendet
blendet dich die sonne
dass du die augen kneifst
dafür dann worte findest
die mich im weggehen durch den tag begleiten
wie dich das bewusst sein beim kneifen










WANDELN

auch da wo es gerade weh tut hinschauen
nicht vergessen
die klaffende wunde sehen
des messers klinge gemeinsam umfassen
mit dem beuyschen pflaster
denn wo sich dinge noch wandeln wollen
lebt ein erkennen
will etwas wach bleiben
sich empören
noch stören
sterben können wir später
noch früh genug









DOCH KEIN ÜBER

alles nur menschen sind
was heißt hier nur
alles auch nur menschen sind
was heißt hier auch nur
alles plötzlich auch nur menschen sind
was heißt hier plötzlich

jeder ja selbst dann auch für die anderen nur
wie die anderen auch für mich
alles nur auch
und plötzlich
kein über-ich
kein über-du
kein über-die

alles menschen,
plötzlich

(die ganze zeit)









DICHTZUSAMMEN

gleich küsse ich die kissen wieder

und wenn die augen sich dann senken
spielt dieser mond dir lieder

der liebe mond erfreut
oder er bringt tränen

das liegt daran wonach
wir uns gerade sehnen












NACH WINTER

mit der liebe ist es nach einem winter wie mit pflanzen im balkonkasten
man braucht immer noch ein bisschen mehr geduld als man denkt
für ein erstes grünes blatt











WAS MIR GEFÄLLT

was mir an zigaretten gefällt:
der unkontrollierbare schwindel

was mir an sex gefällt:
der unkontrollierbare schwindel

was mir am frühjahr gefällt:
der unkontrollierbare schwindel














ALLE SIND SIE SELBST


antennenmeisen sind nicht antennenelstern
selbst anntennennebelkrähen sind nicht antennenamseln
selbst die antennenvogelbeobachterin am küchentisch hat jeden morgen eine andere flügelspannweite














FÜRIMMER

die zeit des fürimmers
ist weit
weit weg










EMIL DAMALS UND JETZT

auf einer alten postkarte meiner mutter
hab ich deinen bauernhof gesehen
mit staunen
deinen nordischen himmel, rot gelb und blau
mit sechtzehn

mit wenig erstaunen
haben dein hof, dein himmel, deine farben
wie auch meine mutter
selbst zwanzig jahre später
kein bisschen ihrer leuchtkraft eingebüßt

hof und himmel bleiben bestehn
was wohl von mir bleibt
im vergehen