
Momentaufnahmen, von Augen gelesen
die zu Ohren werden.
die laune
die laune war im keller
doch dann kamst du
und ach
schon war die laune
(und wir beide)
auf dem dach
(mai 2026)
fallen
wir fallen
fallen in barhocker
fallen in die arme
und fallen auf ein trottoir
fallen auf die rückbank
fallen stufen hoch
und fallen auf ein sofa
fallen zusammen
fallen auseinander
denn das hat uns gefallen
(an FF)
Gin
kaum steigt mir gin zu kopfe
liege ich dir zu füssen
(an FF)
markt cosmonauten
wir spannen unsre lebenszeit
über die kreuzung auf als zelt
die sonne seitlich erst
später von vorn in dieser welt
wir kennen uns einwenig ewig
und dennoch letzlich kaum
so hält die spannung an
in diesem marktweltraum
(an K.K.O)
bitte
du hast
mich gebeten
dich mitzunehmen
und dann
warst du
ganz
bei
mir
und erst
erst mal anfangen zu leben
dann weiter leben
und leben
und und und
und
laster
um etwas zu entlasten
muss man erst belasten
einen fuß, eine schulter,
einen gedanken, die worte,
ohne das eine zeigt sich nicht das andere
ohne mut lastet weniger
und lebt langweiliger
befristungsfrist
wir hoffen aus
wir hoffen ein
wir atmen wünsche aus
atmen träume ein
wir leben den moment
so soll es sein
(an L. 1.4.26)
frei schwimmen
den nebel der nacht im körper, den rest
des gartenfeuers in den haaren, gleite ich
in das vor klarheit strotzende wasser, auf dem
der morgennebel liegt, im schilf
das sich biegt, hängt ein eisvogel bevor
er fliegt während ich kreise ziehe
die keiner sieht und ich kaum fühle,
da mich keiner sieht
Liebe, eine
eine liebe begreift mancheiner erst wenn die endgültige stille vor der tür halt gemacht hat
Wunder ohne Worte
Worte statt Ziegen
Hinterhof statt Hühnereier
feiere das Leben dennoch
wennoch ich kann
Leben, einmal, zweimal, dreimal, jetzt
wem wir begegnen
dessen Namen wir nennen
am Lachen erkennen
gleicht einem Wunder
frühjahrsmorgen
dem nebel
gegeben
eingenommen
der frühjahrsmorgen
eben noch tee trinken
sehe der sonne streben
aprillig
ziegenfütternd du
ich im hinterhof
erlebend
(an O. 1.4.26)
flachwasser
jetzt wo der zuckerguss ab ist
sieht die schilfwelt
sehen gräser aus
wie ein zerzauster pelz
möwen melden mit gebell
eisfreiheit unterm himmelszelt
der sand rinnt uns wie die zeit
kalt durch die hand
und am strand sammeln die kinder
die blumen der toten
(Stralsund-Berlin an Ju. 27.3.2026)
hinein
in die stille hinein
gelingt der augenblick
früher oder
später ist
jetzt
wundern
jetzt
sein
(25.3.2026)
ich wanderte
ich trat auf eine lichtung
dort war licht
dort war zeit
blauer streifen
bevor ich deine träne aus dem augenwinkel küssen kann
vermalst du sie, dein gesicht an meinem knie versteckend
zu einer dunkelblauen linie auf die jeans
wir möchten alle stark sein für andere
und starke andere an unserer seite
welch illusion der härte, wo uns die schwäche
ob wir wollen oder nicht
doch ebenso verbindet.
(an m)
kühler trost
ein kühles bettlaken
auf dem mein fuß liegt
ist der trost
auf dem ich stehe
doch warte nur
es wird warm werden
während ich liege
der trost verfliegt
(märz 26)
hilft immer
weiß ich nicht mehr
und weiß ich nichts
hilft mir immer
wieder
ein gedicht
ich fahre durch
ich fahre durch
die lande
und bringe nichts
zustande
randefou
der letzte kasten leert um neun
drum kommen keine karten
die nacht ist kühl
zur zeit
dich zu umarmen
muss auf morgen warten
und alles ist
gefühlt zu zweit
29.4.2016
hofdachregentropfennachtgeräusch
die schlaflose nacht
teile ich heute mit dir
wo der unsichtbare mond
von ganz zu neu changiert
liegen wir wach
schläft etwas in uns
während wir wachen
wacht etwas über uns tags
wenn wir dinge machen
wo der gedanke langen arm hat
sind wir nicht allein
schweigt der mond
schlafen wir ein
(für regina 12.2.2025)
neuschnee
wer schnee fegt
weiß wie liebe geht
oder
wer den neuschnee mit einem hexenbesen
behutsam zum zopfmuster aus kanten fegt
hegt gedanken daran wie liebe vielleicht geht
(feburar 26, stützerbach)
seebestattung, aufgeschoben wegen eisgang
der tod
kommt
und geht
wie schnee
der tod
gibt denen die
bleiben
geliehene gefühle
zurück
nimmt denen die bleiben
müssen
den atem
kurz sagt er
bescheid
dass alle gehen
müssen
und keiner bleibt
glück liebe und leid
(januar 2026, ruhe nun r.)
auch
du quälst mich
mit deinem verhalten
quälst du dich
auch
die qual ist wie zu enge strumpfhosen
ein fieser gurt am hals
am bauch
das was dann passiert
ist leben in einem schlauch
kein ende in sicht
kein neuanfang für nie
auch
in missbrauch steckt
auch
brauch
(30.11.2025)
ich bin mein hund
ich bin mein hund den ich ausführe
mich führt niemand ich führe mich
ich bin mein hund der sich spaziert
sich kackend und fangenspielend selbst
beobachtet mit sich die wurfgegenstände
auswirft denen es lohnenswert erscheint hinterherzusprinten
der an der tür scharrend sich selbst
beobachtend anbellt und raus muß
der hund bin ich
mein hund
(scharrend)
(22.11.2025)
umdieecke
ich fahre um die ecke
und was ich da entdecke
weckt meinen geist
ohne
dass ich dabei an bieren lecke
-
ist das nicht dreist.
(1.8.2025 22 uhr)
jüterbog
durchfahrt der züge
höchsttempo
suizide
und ungewollte tode
schöne altstadt
tausend jahre alt
autofirmen und feuerwehrbau
man trifft das leben am regionalbahnhof
und den austausch aus westen in den zügen
fast wie in einer kneipe
dreihundertsechzig warm für
sechsunachtzig quadratmeter luckenwalde
(1.8.2025)
U2
haut knochen sorgen
ein zug voll
wünsche
träume morgen
tür auf, sorgen raus.
tür auf, morgen raus.
ein zug voll.
voll haut hirn und knochen.
dicht an dicht und ich
dazwischen
sehe scharf gestochen.
(24.6.2025)
etwas
etwas in mir
sagt
schreib!
das andere
schweig!
(17.7.2025)
rangeln
nach viel zu rotem untergang der sonne
und viel zu rotem wein
rangeln wir in der heide
und bilden uns was ein
noch vor der sonne aufgang
ist eine rippe angebrochen
das rangeln mit vergangner liebe
war plötzlich aus mir rausgekrochen
in betracht des grauen sommerhimmels
die beschädigung
der augeninfarkt
die beschädigung
der multiple krebs
die beschädigung
der fehlende handmuskel
die beschädigung
die verstopfung im herzen
die beschädigung
sie
macht
die kostbarkeit
erneut
sichtbar
ohne auge
ohne knochen
ohne hand
im herzen
mir
(17.7.2025)
das
nichts wisst ihr
genug von
zu wenig
um wagen zu dürfen
das urteil
über mich
das ewiggleiche gegenüber aus dem
ewiggleichen westen
das bin ich nicht
und ihr macht euch selbst damit zu dem
was euch einst angegriffen
kreuzung, sindy, fahrrad, senefelder platz
das miteinander
sprechen
ließ in großer höhe
große wolkenberge brechen
regentropfen berieseln
trockne flächen
in sprechenden köpfen
durch eine laue nacht wandert ein schatten
unbemerkt. eine spinne seilt sich ab am faden.
windwärts.
(5.7.2025)
sende dir ein L aus Schornstein wie Liebe
eine Taube oben drauf wie Friede
dazu ein Blau so weit das Auge reicht
(an Julie 2.7.2025)
eintauchen
wir schwimmen im see
auf dessen oberfläche
ein kleiner nebel zieht
und den niemand sieht
außer uns
und wir sehen uns nicht
wir sind eingetaucht
(für olaf)
mit sommer nacht
ich sitze innen der verkehrten seite dieser kneipenscheibe und während ich im kopf das schreibe
siebt sich mein leben durch die zeit. mein gegenüber ist betrunken und versteht sich selbst sowenig
wie das was ich treibe doch meine konsequente sturheit hält mich bis das draussen neulicht zeigt
ich bleibe. denn auf der falschen seite dieser kneipenscheibe und was ich innen sitzen in mir fühle zu begreifen dauert eine ganze weile und braucht diese zeit. und während ich nach draussen blickend über an die scheibe angelehnte rücken schweife empfinde ich ein frei.
(21.6.2025)
dochnoch
ich hätte jetzt doch noch zu sagen
doch noch zu sagen
zum ersten mal
ich würde es gerne wagen
doch das sagen ist eine qual
ich hätte ich wollte ich könnte
und doch vermag ich es nicht
denn das was ich sagen wolltewürde
passt so in kein gedicht
ich sollte es einfach verschweigen
was man erschweigt verschwindet nicht
der abend das feuer von gestern
es steht mir in herz und gesicht
die findenden worte fehlen
am fehlen mangelt es nicht
ich hätte ich wollte und würde
und dochnoch vermag ich das nich
(27.9.2025)
aufblättern
der schnee fällt
auf blättern
in die welt
auf denen wörter
die man ohne blätter
in den händen hält
(wir stehen auf)
(tischen statt an ihnen zu sitzen)
(stühle stapelnd zusammengestellt)
(und aus der ritze)
(tropft derweil glitzernd)
(der rest in dieses zirkuszelt)
22.9.2025
die ecke
ich schleiche um die ecke
den rückwärtsgang
nicht
eingelegt
die letzten tage
wochen
sie haben mich doch ! mehr bewegt
als ichs verworten könnte
ich spür es an den orten
um die es erste blätter fegt
-
das neue
dass das alte
als existent belegt
(27.9.2025 an Sind.)
von dem ganzen
wo wir fahren sind wir schon gewesen
wie wir handeln wusste schon die alte nacht
was wir denken ist ein teil nur
wer wir sind ist schon gemacht
bei dir wurde ich erneut wie ich war als ich früher alt war
es braucht viel leben
für ein echtes müde
viel schlaf
für ein echtes wach
manchmal warte ich
vergebens
manchmal lebe ich alles
an einem tag
(28.09.2025)
dem Moos lauschen
der Regen lauscht mir
und ich lausche ihm
in der Nacht
am Fenster
und der Fluss in der Regenrinne
ist ein Bach im Wald
und der Duft
von Moos steigt auf
wenn ich drüber streiche
möwe ist
wo möwe ist, ist leichtigkeit
wo möwe ist, ist leben
und wenn sie in den fluten steht
spuer ich es im mir beben
ich tue es ihr gleich
und schon bin ich am leben
am leben
leben
leben
plötzlich
wieder, jetzt
und gradeeben
(an Hanna)
es ist nicht alles
es ist nicht alles
wie man denkt
und wie man denkt
so ist es nicht
bevor man etwas greift
verlöst es sich und
in der eignen zeit
liegt auch des anderen
leben mitbegraben
(25.4.25)
kantenrand
dachland
kantenrand
du riechst nach schornstein
zart
verbrannt
für deine flächen
ist mein herz entbrannt
kaminrote weite
je nach sonnenstand
(an r.)
brand
wie flammen in der sonne
steht sein haar
und ruß am kinn
verrät
wo wir hier sind
und später
wo wir waren
wer wir sind
(an r.)
rost
der frost
der frost auf meiner haut
ist laut
lauter als
mein gefühl dem man nicht
mehr traut
bei wechselhaftem wetter
markt ist an
jacke ran
jacke aus
sonne rein
sonne raus
mütze ab
mütze rauf
markt ist aus
(an kirk)
du siehst
was du da siehst
und nur sagst
sieht mein herz
und es schlägt
dann laut
zurück
vor glück
(6.4.25)
wir können nicht
wir können uns nichts kaufen
kein leben
und keine zeit
wir können uns nicht zerteilen
in keinem leben
und zu keiner zeit
ich möchte mir die haare raufen
und alles tut mir weh
und alles tut mir leid
wir können uns nichts kaufen
und laufen gegen unser selbst
und reihen leid an zeit an leid
für veränderung noch nicht bereit
ich hatte schmerzen
in der seele
doch dann
sah ich dich
jetzt
freu ich mich
glücksehliglich
ganz ich
und
über dich
löschschnee
der schnee legt
die stille frei
löscht farben
aus flächen gelöstes
licht in kanten
die stille legt sich
im schnee frei
eins geschieht
dann das andere
ein gesicht
die natur denkt
in grösseren bögen
(an holger)
er liegt
der liegende
sieht
im liegen
was der laufende
laufend
sieht
nicht
laufend sieht
er liegende sehend
nicht
blickwinkelnd, dicht, nur bei sich
glaubt der laufende
laufend
dass er mehr sieht
weil er läuft
und er damit
richtig liegt
(vor der Charité im Gras unter der großen Platane)
jetztund
jetzt und jetzt und jetzt
und dann und jetzt und fürimmer
und dann
und jetzt
für immer
nicht mehr wie es war
und jetzt und jetzt und jetzt
und jetzt
am oberen mittelrand
laviere am oberen rand
unten, und
mein gegenüber
die immerselbe graue wand
grauer himmel
dachkant-
e dazwischen
blaues himmelsband
am unteren oberrand
dort wo ich herumlaviere
mich
unablässig
wieder hinmanövriere
ins obere mittelmass dazwischen
ins blaue mittelhimmelsland
dein sommernachtregentag
der regen hört sich an
wie rote beeren
in schaumwolkenkuchen schmecken
ich wische ihn
mit der gardine
aus sommernachtoffenen fensterbrettecken
ich denke
an das saure knacken
der beeren zwischen wolkenkuchenschichten
den wolkenregen
aus den mundwinkeln lecken
weil regentropfen drüben in der rinne klacken
wir sassen gerade noch
am see in eurem garten
jetzt liege ich
im sofa in der morgengrauen stadt
und kann nicht schlafen
(an kathrin, meine freundin, die kuchenbackende affenforscherin)
mit wachsender geschwindigkeit
rinnt uns durch die hände
die zeit
mit jedem der verschwindet den wir kannten
verschwindet auch von uns ein stück
wir sterben ein stück
mit
mit menschen denen wir begegnen
wie wir ein stück weiterleben
wie sie
die verschwinden
in uns
findenwieder
wir finden
wenn wir nicht suchen
was wir loszulassen schaffen
wieder
das verlorene leben
nicht, nur deshalb
auch eine leere gibt es
eine fülle gibt es auch
löschen sich gegenseitig aus
weil ich weiß, irgendwann
wie es ist kraft zu haben
weil ich weiß, irgendwann
wie es ist verliebt zu sein
vermisst man es.
nur deshalb
etwas negatives
etwas negatives zu tun
ist viel leichter als
etwas positives zu schaffen
E EE
fliehen
erinnern
reden
spielen
kante
der springer, kühn
der abgrund hinter der dachkante, lockt
sitze davor im rock
und halte mich selbst an seinem zipfel zurück
Gründe
ich schaue in Abgründe
rundherum
eure schönen Münder
dahinter
eure tiefen Abgründe
die nachts in Gedanken
meine geworden sind
Neben Dir
im Gras liegen
meine Gedanken
neben dir
über uns
das Himmelszelt
in einem anderen Leben?
neben mir
stehst du neben dir
stehe ich neben mir
und dir nicht mehr
und mir nicht mehr
eben wir
neben uns
jeder allein
wo du nicht mehr bist
ist
jetzt nichts
du nicht
nie mehr
(J.G., zu früh weggenommen, 25.6.2016)
schaum
ich greife in den raum
und habe einen traum
alles nur schaum,
schaum
schaum
schaum
kein raum dort
für den traum
Luft
die Luft riecht nach
nebelfeuchtem Sand
das Restlicht gibt ihm eine blaue Färbung
gibt mir deine Hand
und wir gehen ein Stück
gemeinsam nachtabgewandt
(an M.)
du reichst
du reichst
mir deine hand
ich male in sie
mit dem finger
wie in sand
verschließe sie mit meiner
im moment
sandvogel
rinnt unsere gemeinsame zeit
jedem allein
durch seine hände
hände in denen daunenfederleicht
der kleine vogel liebe
platz genommen hat
spür ich ihn erst im abflug
möcht ich ihn halten
brummkopfdummkopf
der kopf brummt
schief und krumm
"liebe, verlust, universum"
und immer und immerwieder
warum, warum
warum
nachwochenende
nicht wo ein stück des fingers fehlt
fehlt es auch am herzen
nicht wenn die elster eine amsel liebt
macht mir das schmerzen
wenn eine wolke eine andere touchiert
lässt mich das denken
wir sind nur da um wach zu bleiben
und uns zeit zu schenken
(für M)
grashalm
der grashalm steht
im sonnenschein
ganz fein
und schmal der schatten
und kommt ein windstoß
um die ecke
biegt sich der halm
und mit ihm seine schattenstrecke
aufgehoben
habe die kleine sommerbrise
wie sie sich in deinem blonden haar
fängt und deine augen
in meinem kopf
(für p)
15.5.2014
die leichtigkeit der dinge liegt in den dingen selbst
weich
mondlicht
fängt sich
auf frischgeduschter haut
besonders schön
zu zweit am nachmitternächtlichen
fenster
ineinanderaus
wir haben uns
ineinander
ausgeweint
auseinander
eingefunden
im miteinander
über nacht
für den neuen tag
mondaugen
der mond kriecht
durchs geäst
wie eines baumes helles auge
streift er ein nest
dann folgt
der allbekannte rest
im august
denk ich an deinen
kuss
muss
ich schmunzeln
so ein stuss
und doch ein muss
nach solch
einem kuss
auch leben
du krallst dich an die flasche
und überall liegt asche
von einem rausch beseelt
und einem wunsch der quält
nur frei dann wenn du schläfst
erdbeeren
wir fahren hin wo erbeeren im winter schlafen
vielleicht liegt schnee auf dem sand,
sagst du,
vielleicht nehm ich deine hand
die schwester der lorelei sitzt über eck
wir sitzen wo sich dichter
rauch in trichterlampen kräuselt
und trinken dabei viel zu viel
und unsere grade aufgetauchten
randgedanken spielen uns ein spiel
während die hübsche weltflucht leise säuselt
"viel zu viel,viel zu viel"
(an holger)
dahinter
im nebel steckt verborgen
die sehnsucht nach dem neuen
morgen
im sonnenschatten steckt ein rest vom
licht
was ich empfinde sieht man
nicht
wiedersehen
die zeit hat dich geschrumpft sofort erkenne ich dein kinn
von deiner silhouette jeden millimeter
verwunderlich wie große menschen zehn jahr später
plötzlich ein kleines bildmaß sind
die zacken die du in mich schlugst
sind lange von der krone abgefallen
die du auf deinem haupte trugst
graustufen bist du und du stehst mit allen
bist meine zukunft nicht und nicht mehr sinn
bist weder opfer noch ein täter
verwunderlich wenn vielgeliebte menschen jahre später
ein kleines bildmaß eines drahtlostelefons nun sind
(in einem gedanken an j., jahre später)
neufund
trag deine angst zu grabe
labe dich
am neuen tag
umarme
den abend
wieder stehen.
seit ich aufgestanden bin,
widerstehe ich dir.
unangenehm
wusste nicht
wie umgehen
daher wusste ich
nur das will ich
umgehen
das umgehen
umgehend!
abstossend
was war so abstossend an mir
ist jetzt an dir
lücken
ist das was du weißt
ganz der der du bist
wenn du das was du weißt
auch mal vergisst
ist der der du bist
noch das was du weißt
wenn du dich mal vergisst
dir ein andrer wichtig ist
blaues rosa
mit der rosa brille
kann man nicht weit sehen
und setzt man sie kurz ab
erlebt man immer ein blaues wunder
dann heißt mit dem
wunder freundschaft
schließen oder weggehen
vergangene unklarheit
ich hatte unklarheit
wegen der worte
'nie wieder'
und 'immer'
aus angst vor wahrheiten
aus trotz vor veränderungen
das war verfrüht
man sollte immer
offen sein für 'immer'
und 'nie' geschlossen
für 'wieder'
ruth
du drehst die gelbe sanduhr nicht
du schaust nur ihr geriesel
im augenwinkel seh ich und verneige mich
vor dir ganz tief und innerlich
wie morgensternsche wiesel vor reimeswillens kieseln
(an ruth und das menzeldach)
brennnessel
keiner hat dich zurückgeschnitten
und verkannt
du drückst deinen scheitel durch die rippen
der bank
zeigst deinen schön gezackten rand
begrüßt mich, kurz gebrannt
um dann zur seite wegzukippen
sehen lernen
der entscheidende unterschied
zwischen akt und
nur nackt
war das n
auch das galt es ersteinmal zu verstehen
zu sehen und lernen
laughter
oh
es ist wahr
es dauert nur ein jahr
um zu entknallen
was verknallt
und zu erfahren
dass wir alle menschen sind
im äußerlich erwachsenen innen weiter kind
gesicht
die zärtlichkeit mit der du
mein gesicht
berührst
hätt ich mir selber
niemals
zugestanden
zerstreuung
in alle winde hab ich mich zerstreut
mitten in den mai
und mich in allen himmelsrichtungen dabei
wieder
gefunden
nachwinter
mit der liebe ist es nach einem winter wie mit pflanzen im balkonkasten
man braucht immer noch ein bisschen mehr geduld als man denkt
für ein erstes grünes blatt
was mir gefällt
was mir an zigaretten gefällt:
der unkontrollierbare schwindel
was mir an sex gefällt:
der unkontrollierbare schwindel
was mir am frühjahr gefällt:
der unkontrollierbare schwindel
8 EYED SUNDAY
mein nachbar trägt einen rollkoffer zu seinen eltern
ich lege contriva ein
und mache den bassschalter an
ERINNERN VS VERGESSEN
1) ERINNERN/VERGESSEN
wenn du das erinnern vergisst
schafft sich die erinnerung früher oder später ihren weg
durch dich und deine kinder hindurch ihren raum
du kannst sie vergessen
aber sie wird sich immer an dich erinnern.
2) VERGESSEN ANFANGEN
ich erinnere mich nichtwann ich anfing zu vergessen
und
ich vergaß ab wann ich anfing nicht zu erinnern
erst
sich deutlich zu erinnern bedeutet
endlich anfangen zu dürfen
wirklich zu vergessen
3) WIEDER HABEN
ich hatte die erinnerung an mich vergessen
und als ich vergaß
daß dem so war
hatte ich mich wieder
4) MICH MICH
ich erinnere mich
an dich, du
erinnerst mich an mich
dich stört das nicht
5) STREIT
"vergiß mich nicht", sagt die erinnerung
"vergiß mich", sagt das vergessen
"vergiß mich", sagt die erinnerung
"vergiß mich nicht", sagt das vergessen
kann das vergessen sich selbst erinnern?
6) VERGESSLICHKEIT
wegen seiner vergesslichkeit erinnerte man sich
an ihn
7) WIDERSPRUCH
die erinnerung ist selbst ein vergesssen, daß
sich meint erinnern zu können
der Wortkoffer hat Unterkoffer, und Unterunterkoffe ...